Montag, 13. September 2010

Die Mapuches: Rühr meinen Mapuche nicht an

Am 12. August 2009 kam der junge Mapuche Jaime Mendoza Collio ums Leben. Ein chilenischer Polizist schoss ihm in den Rücken. Der 24-Jährige hatte mit ungefähr 50 anderen Aktivisten ein Stück Land besetzt, um von dem Eigentümer, einem Forstunternehmen, die Rückübertragung ihres Ahnenlandes einzufordern. Ein paar Tage später und ein paar Hundert Kilometer davon entfernt, nahm die Gruppe "Wechekeche" aus Santiago de Chile in ihrem improvisierten Studio einen Rap zum Gedenken an Jaime auf. Sie folgte damit der Mapuche-Tradition, musikalisch Widerstand zu leisten, welche die Band "Pirulonko", was "Raupenkopf" in der Mapuchensprache Mapudungun bedeutet, eingeführt hatte. Die Pirulonkos nahmen sich ein Beispiel an der Strategie ihrer Ahnen. Fünf Jahrhunderte zuvor hatte sich der Kriegshäuptling Lautaro die militärischen Techniken der Spanier abgeguckt, um diese im Krieg gegen die Eroberer anzuwenden. 1553 wurden die spanischen Conquistadores von Lautaro und seinen Kriegern zum ersten Mal auf chilenischem Territorium besiegt. Heute haben die Mapuche, 600.000 in Chile und 200.000 in Argentinien, mehr als 90 Prozent ihrer Ländereien verloren. Über die Angelegenheit schien schon Gras gewachsen zu sein. Aber die neue Mapuche-Generation, deren Angehörige in der Stadt leben und sich Mapurbe nennen, will den Kampf in musikalischer Form wieder aufnehmen. Einige Dutzend Bands wie "Pukutrinuke", "fick deine Mutter" auf Mapudungun, kombinieren Metal, Reggaeton oder Rap mit traditionellen Instrumenten der indigenen Bevölkerung. Der chilenische Staat scheint derweil die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Er erhöht das Polizeiaufgebot und vervielfältigt die Zahl unschuldiger Opfer. Seit 2002 ist Jaime schon der dritte Mapuche, der durch die Kugel eines Polizisten getötet wurde.


Teil 2

Teil 3

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