Dienstag, 7. Dezember 2010

Bericht der Informationsveranstaltung mit Natividad LLanquileo in Berlin


(Bericht geschrieben von Kristina aus Berlin.26.Nov.2010)

Am 23.11.2010 nahmen in Berlin im Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.
(FDCL) Chilenen / Lateinamerikaner und Deutsche an der Film- u. Informationsveranstaltung mit Natividad Llanquileo, eine Sprecherin der Politischen Mapuche Gefangenen von Concepción, Chile teil. Sie vertritt die 33 Mapuche, die in einem fast 3-monatigen Hungerstreik bis Oktober diesen Jahres die einzige Moeglichkeit sahen, ihre Forderungen nach Gerechtigkeit zu stellen.

Sie erklaerte, dass die Mapuche einfach als Terroristen bezeichnet werden, ohne Prozesse eingesperrt und der Militärjustiz ausgeliefert sind. Ihre Familien koennen in den Gemeinden nicht ruhig leben, sie werden staendig militaerisch belaestigt und sogar Kinder werden verfolgt, entfuehrt und durch Folterungen gezwungen als "maskierte" Zeugen bei denen erst nach Monaten anfangenden Prozessen gegen ihre eigenen "Brueder" auszusagen. Die Regierung unter Piñera hat die waehrend der Gespraeche durch Vermittlung des Erzbischofs von Concepción angekuendigten Reformen nicht durchgefuehrt. Im Gegenteil es wurden was das Antiterrorgesetz aus Pinochets Zeiten anbelangt, nur ein paar Wortspiele vorgenommen, die letztendlich noch schrecklichere Folgen haben koennen als vorher. Das heisst, dass ein unschuldiger Mapuche nur weil er einem indigenen Volk angehoert, unglaublich hohe Gefaengnissstrafen (bis ueber 100 Jahre) bekommen kann und ein Carabiñero (Polizist) fuer einen wirklich begangenen Mord an einem Mapuche, nicht einmal seine vielleicht 15 Jahre absitzen muss sondern freikommt.
Ausserdem werden immer noch unerkenntlich maskierte Zeugen ohne Namen vorgefuehrt, wie auch im Dokumentarfilm „Der Prozess Pascual Pichun“ zu sehen war, und ihnen die Worte regelrecht in den Mund gelegt. Unter diesen Bedingungen koennen die Mapuche Gefangenen keine gerechten Prozesse erfahren, so dass uns Natividad genau an diesem Abend darueber informierte, dass der Hungerstreik wieder aufgenommen werden wird.

Sie hat auf ihrer Europareise inzwischen wichtige internationale Beobachter gewonnen, die grosses Interesse an dem Verlauf der Prozesse gegen die Mapuche in Chile haben, denn hier werden eindeutig die Menschenrechte schwerwiegend verletzt.
Wie der Film ausserdem deutlich zeigte, bekommen die Mapuche in Chile kaum Unterstuetzung, sie werden von vielen - auch geschuert durch die Manipulation - als "Auslaender" angesehen und schlecht behandelt, es geht hierbei um heilig angesehenes Land ihrer Vorfahren, was ihnen hinterlistig genommen wurde und welches sie zum Leben und Bewirtschaften fuer die Existenz ihrer Familien brauchen. Oft werden Mapuche der Brandstiftung von Laendereien der "Reichen" bezichtigt und dabei werden diese meistens von Unternehmern der Forstwirtschaft leichtsinnig und ruecksichtslos verursacht. Umso wichtiger ist die internationale Unterstuetzung auf jeder Ebene und dringend notwendig. Auch finanziell sind die Belastungen untragbar fuer die Familien, sie haben hohe Anwaltskosten und Reisen zu den Gefaengnissen zu bezahlen waehrend sie selbst weniger Einnahmen haben als vorher.
Die junge Sprecherin der Mapuche Gefangenen zeigte sich sehr dankbar fuer die Hilfe aus Deutschland und unterstrich die Bedeutung der hier stattgefundenen Manifestationen und Kampagnen.

Mapuche bedeutet Menschen der Erde, und da sie ohne ihr Land - die Mutter Erde - nicht existieren koennen wird mit den Worten eines bewussten Mapuche Jungen im Film klar, wie bedrohlich die Situation ist: Sin MAPU No hay CHE = Ohne Erde keine Menschen.